Maria Loboda – An exhausted Dr. John Dee
enjoys the view towards the lake

21. August - 26. September 2021
Eröffnung und Performance: 21. August 2021, 14:00 - 17:00

(For English text please scroll down)

Sie sind herzlich eingeladen zur Ausstellung An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake von Maria Loboda, die am 21. August 2021, 14:00 – 17:00 mit einer Performance im Atelier Amden eröffnet wird und bis am 26. September 2021 dauert.


Die parkähnliche Landschaft über dem Walensee, die Künstlerinnen und Künstler seit dem 19. Jahrhundert fasziniert hat, bildet den Ausgangspunkt für die neuen Arbeiten Nothing new under the sun (2021) und Stone wearing an ornate teardrop earring (2021) von Maria Loboda, die sie in ihrer Ausstellung An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake zeigen wird. In dieser Umgebung lässt sie Dr. John Dee am 21. August auftreten, ein englischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph und Mystiker des 16. Jahrhunderts. Er baute eine der umfassendsten Bibliotheken der Renaissance auf, studierte die Gesetzmässigkeiten der Natur und stand mit den Gelehrten und den Mächtigen seiner Zeit im Austausch. Dieser gelehrte Mann von grossem Einfluss, Hofastrologe von Elisabeth I., begann sich mehr und mehr dem Übersinnlichen und vor allem der Kommunikation mit Engeln zuzuwenden. Er wurde der Ketzerei und Schwarzen Magie verdächtigt. 1589 kehrte er von einer langen Reise zurück, die ihn 1583 mit seiner Familie im Gefolge eines polnischen Adligen und begleitet von einem Medium, Edward Kelley, nach Krakau und Böhmen führte. Er wurde von Kaiser Rudolf II. empfangen, musste Prag aber wegen der Inquisition fluchtartig verlassen. Der Auftritt von Dr. John Dee in Amden mag zunächst wie eine Farce erscheinen, bringt dabei aber Landschaft als Kulturraum und zivilisatorische Errungenschaft ins Bewusstsein zurück und ruft beiläufig auch jene Menschen in Erinnerung, die sich im Namen von Theosophie, Spiritismus und Fortschritt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amden niedergelassen hatten. Dr. John Dee gehört im Schaffen der Bildhauerin in eine Reihe performativer Arbeiten, in der Loboda eine kontroverse historische Figur als Trompe-l’oeil innerhalb ihrer Ausstellung auftreten lässt.

Maria Loboda, die in Krakau geboren wurde und 2003-2008 bei Mark Leckey an der Städelschule in Frankfurt studierte, hat sich in den vergangenen Jahren mit Landschaftsarchitekten und ihren Arbeiten beschäftigt, 2018 etwa für ihre Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt mit dem Amerikaner James C. Rose und zuletzt mit dem britischen Innenarchitekten David Hicks, der für sich einen Park anlegte, der über die Blickachsen wie eine Erweiterung seines Hauses wahrnehmbar wurde.

Die Ausstellung An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake von Maria Loboda lässt uns die Berglandschaft über dem Walensee als Naturraum erleben, möchte den Ort aber zudem sowohl als Spiegelbild unserer janusköpfigen Zivilisation als auch wie ein Bild aus einer anderen Zeit begreifbar machen.


Maria Loboda at the Amden Atelier

You are cordially invited to Maria Loboda’s exhibition An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake, which is to open with a performance at the Amden Atelier on 21 August 2021, 2–5 pm and will run until 26 September 2021.

The park-like landscape above Lake Walensee that has fascinated artists since the nineteenth century was also the catalyst for Nothing new under the sun (2021) and Stone wearing an ornate teardrop earring (2021), two new works that Loboda will be unveiling in the exhibition An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake. It will also be the setting in which on 21 August she will bring the sixteenth-century English mathematician, astronomer, astrologer, geographer and mystic Dr. John Dee back to life. Dee built one of the most wide-ranging libraries of the Renaissance, studied the laws of nature and corresponded at length with the scholars and the powerful of his age. As court astrologer to Elizabeth I and a learned man of considerable influence, he began to devote more and more of his time to extrasensory phenomena and above all to communication with angels. This led some to suspect him of heresy and black magic. In 1583 he and his family along with the medium Edward Kelley joined the entourage of a Polish nobleman on a trip to Cracow and Bohemia. There he was granted an audience with Emperor Rudolf II in Prague, which owing to the Inquisition he had to flee in a great hurry, returning to England in 1589. The appearance of Dr. John Dee in Amden may at first seem like a farce, but it will also raise our appreciation of landscape as a cultural domain and a feat of civilization, while at the same time recalling those people whose belief in theosophy, spiritualism and progress led them to settle in Amden in the early twentieth century. Loboda’s resurrection of Dr. John Dee belongs to a series of performative works in which the sculptress has a controversial historical figure appear as a trompe-l’oeil within one of her own exhibitions.

Maria Loboda, who was born in Cracow and who from 2003–2008 was a student of Mark Leckey at the Städelschule in Frankfurt, has been very much preoccupied with landscape architects and their work in recent years, focusing on American landscape architect James C. Rose for her 2018 show at the Schirn Kunsthalle Frankfurt, for example, and most recently on the work by British interior designer David Hicks, who created a park for himself with lines of sight that make it look like an extension of his own house.

The exhibition An exhausted Dr. John Dee enjoys the view towards the lake by Maria Loboda lets us experience the mountainous landscape above Lake Walensee as a natural space, but at the same time wants us to apprehend it as a mirror image of our Janus-faced civilization and as an image of another age.




Film über das Atelier Amden

Auf Einladung von Judith Clark entstand 2020 ein Film über das Atelier Amden für das von Rebecca Arnold (Courtauld Institute of Art, London) geleitete Fashion Interpretations Symposium. Ursprünglich waren eine Ausstellung und ein öffentliches Gespräch geplant, die wegen der Pandemie nicht realisiert werden konnten. Judith Clark und Roman Kurzmeyer entschieden sich stattdessen für einen Film, in dem sie zeigen, was sie unter dem Medium Ausstellung verstehen und wie sie das Metier ausüben.




«Finally, the evening concluded with a short film collaboration between Roman Kurzmeyer and Judith Clark, which turned the way that we think about exhibitions on its head. The Amden Atelier, a project that uses an old cattle stall in the mountains as a venue to showcase art installations lends itself to a debate about what it really means to be an ‘exhibition maker’. It requests an engagement with the site: artists and curators must specifically work with the building. This unique short film highlighted a multitude of ways we can think about the exhibition, the importance of perceptual conditions, and the ‘hyper image’.» Kathryn Reed on Fashion Interpretations Symposium, Part III, the Courtauld, London, 3rd December 2020. 






Jochen Lempert, Untitled (Botticelli IV), 2018



Edition von Jochen Lempert

Im Atelier Amden war vom 31. August bis 25. Oktober 2020 eine Ausstellung des deutschen Fotografen und Biologen Jochen Lempert zu sehen. Die Ausstellung war das Ergebnis unserer Kooperation mit der Kuratorin Christiane Meyer-Stoll aus Anlass ihrer Ausstellung Parlament der Pflanzen im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz (6. September 2020 bis 17. Januar 2021). Aus diesem Anlass haben wir zusammen eine Edition herausgegeben.






Jochen Lempert
Plant Volatiles – Krabbeln, Schlafen, Fliegen: Topinambur Fotogramm / Hahnenfuss schlafend in der Mitternachtssonne / Brennnessel Pollenwolke, dreiteilig, Digitaldruck auf Papier, je 29,7 x 39,7 cm,
Auflage 80 + 20 A.P.
CHF 60.-
vergriffen





Neuausrichtung des Programms

Eine der Fragen, denen die Ausstellungen in Amden nachgehen, ist jene nach den skulpturalen Eigenschaften dieses einfachen, landwirtschaftlichen Zweckbaus, der seine eigentliche Bestimmung verloren hat und seit einigen Jahren durch die neue Verwendung als Auslöser ästhetischer Erfahrungen erlebt werden kann. Die 2018 von Judith Clark realisierte, weiterhin zu sehende Intervention Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II (2018) ist dafür beispielhaft. Die 2015 begonnene Neuausrichtung des Programms zeigt sich in der zeitlichen Ausdehnung und Verschränkung verschiedener Projekte. 2018 kam die britische Künstlerin Elizabeth Wright nach Amden, um die digitale Skulptur Involuntary Work: Atelier Amden (2018) vorzustellen. Es handelt sich um eine digitale Repräsentation des Gadens in Form bewegter Bilder, die Wright online stellte. Die Künstlerin arbeitete mit Digitalisaten, die sie im Jahr zuvor in Amden von Oberflächen des Ausstellungsgebäudes anfertigte. Mit dem Titel bezieht sich die Künstlerin auf die Sculptures involontaires, die der französischen Fotograf Brassaï in den 1930er-Jahren in der surrealistischen Zeitschrift Minotaure publizierte. Es handelt sich um Aufnahmen unscheinbarer, kleiner Dinge, über die Rosalind Krauss in Anspielung auf die Surrealisten gesagt hat, es handle sich um das automatische Schreiben der Welt. Bitte besuchen Sie die Skulptur von Elizabeth Wright online unter www.involuntaryworks.com

Permanent zu sehen sind weiterhin auch die von Adrian Schiess bemalten Gläser eines der beiden Fenster des Weidgadens. Seine Arbeit ergänzt die auf Dauer angelegten früheren Interventionen von Judith Clark und Vaclav Pozarek. Zu quasi due buchi (2017) hat Pozarek ein Künstlerheft gleichen Titels gestaltet, das wir Ihnen auf Wunsch gerne zustellen. Auch die Edition von Bill Burns, die wir 2019 mit dem Künstler produzierten, ist bei uns erhältlich.






Bill Burns mit dem Poster The Great Trading Project (2019)





Publikation zur Geschichte des Atelier Amden.
Atelier Amden 1999–2015

Anya Gallaccio, Katharina Grosse, Anselm Stalder, Pawel Althamer, Bruno Jakob, Sarah Rossiter, Elizabeth Wright, Eva-Christina Meier, Rita McBride, Christine Streuli, Adrian Schiess, Annelies Strba, Bill Burns, Mai-Thu Perret, Erik Steinbrecher, Karin Hueber, Giorgio Sadotti, Pamela Rosenkranz, Eran Schaerf, Katalin Deér, Polly Apfelbaum, Kaspar Müller, Brian O'Doherty, Shirana Shahbazi, Vanessa Safavi, Karin Sander

Edition Voldemeer Zürich / de Gruyter 2015
Das Buch liegt in einer deutschen und einer englischen Ausgabe vor und kann im Buchhandel bezogen werden.

«Eine aussergewöhnliche Konfrontation zeitgenössischer Kunst mit der Schweizer Berglandschaft, die zum Ort des sozialen Aufbruchs und des künstlerischen Experiments wurde.»
– Andreas Fanizadeh in: Taz. Die Tageszeitung, 22.12.2015



Edition von Shirana Shahbazi
Bei der Edition handelt es sich um Fotografien, die in der Ausstellung «Tageslicht» im Atelier Amden 2013 entstanden sind.




Shirana Shahbazi
Tageslicht, 2015
2-teilig, Ilfochrome, je 28 x 35 cm, Auflage: 9 + 3 ap
CHF 900.- (o. R.)
zu bestellen bei info@atelier-amden.ch







Zugverbindungen ab Zürich: jeweils 12 Minuten und 43 Minuten nach der vollen Stunde, umsteigen in Ziegelbrücke. Bus ab Ziegelbrücke nach Amden bis Station Lehni. Ab Station Lehni ist der Wanderweg zur Ausstellung markiert.