Jochen Lempert, On Photosynthesis, 2009



Programm 2020

Besucherinnen und Besucher des Atelier Amden werden diesen Sommer auf ein neues Plakat der Ausstellungsmacherin Judith Clark treffen, das deren permanente Installation Niklaus Manuel Deutsch ausstellen: Das Urteil des Paris II (2018) aus 12 Nägeln und einem Brandzeichen nach einer Zeichnung von Niklaus Manuel (1484-1530) ergänzt.

Ab Sonntag, 30. August 2020 (öffentliche Vernissage: 14-17 Uhr) bis 25. Oktober 2020 werden im Atelier Amden Arbeiten des deutschen Fotografen und Biologen Jochen Lempert zu sehen sein. Die Ausstellung ist das Ergebnis unserer Kooperation mit der Kuratorin Christiane Meyer-Stoll aus Anlass ihrer Ausstellung Parlament der Pflanzen im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz (4. September 2020 bis 17. Januar 2021), an der Jochen Lempert mit neuen Arbeiten vertreten sein wird. In seinen Fotografien von Tieren und Pflanzen dokumentiert Jochen Lempert Natur und bringt optische Muster, Formen und Strukturen und selbst den Habitus von Tieren und Pflanzen in wechselweise Verbindung mit dem Menschen und der Entwicklung der Zivilisation. Chris Sharp spricht vom «Anthropocentric Dilemma», das Lempert in seinen Fotografien zum Ausdruck bringe. Er zeigt in seinen Aufnahmen, die auf Analogien und Abstraktionen beruhen, nicht nur, wie sich der Mensch an der Sprache der Natur orientiert, sondern thematisiert in seinen Bildern auch die gemeinsame, zu teilende Lebensgrundlage von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Der polnische Künstler Paweł Althamer, der im Atelier Amden im Sommer 2001 die Skulptur Weronika erarbeitete und ausstellte, ist an Parlament der Pflanzen mit der aus acht Filmen bestehenden Arbeit So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes (2003) vertreten, die in Zusammenarbeit mit Artur Zmijewski entstanden ist. Er wird sich auf eine Wanderung zu den Pflanzen begeben und durch diese Wanderung eine Verbindung zwischen den beiden Ausstellungsorten schaffen. Die Selbsterfahrung und deren Visualisierung sind zentrale Anliegen des Künstlers. Es geht ihm dabei nicht nur um körperliche und psychische Grenzerfahrungen, sondern auch um seine realitätsbezogene Selbstwahrnehmung in verschiedenen Lebenssituationen. Sein Schaffen ist seit den ersten Arbeiten und bis heute mit dem gegenseitigen Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen Alltag und Kunst befasst. Kontextualisierung heisst für ihn, die Kunst mit ausserkünstlerischen Methoden, Formaten und Medien in Berührung zu bringen, aber auch das Leben wie Kunst zu betrachten. In dieser Haltung ist auch die (lose) Verwandtschaft zu Joseph Beuys begründet, auf die in der Literatur zu Althamer hingewiesen wurde. Dieses handlungsorientierte und realitätsbezogene Wirklichkeitsverständnis manifestiert sich in der Art seiner Bezugnahme auf die Welt und in seinem ungebrochenen Interesse an der Arbeit mit partizipativen Werkformen. Eine Reise, ein Spaziergang oder eine Wanderung kann Ausdruck dieses Werkverständnisses sein. Ob die auf Einladung des Atelier Amden mit Studierenden des Institut Kunst HGK FHNW Basel vorgesehene Gebirgswanderung, in deren Zentrum die bewusste Naturwahrnehmung stehen soll, im Herbst durchgeführt werden kann, bleibt abzuwarten.

Neuausrichtung des Programms

Eine der Fragen, denen die Ausstellungen in Amden nachgehen, ist jene nach den skulpturalen Eigenschaften dieses einfachen, landwirtschaftlichen Zweckbaus, der seine eigentliche Bestimmung verloren hat und seit einigen Jahren durch die neue Verwendung als Auslöser ästhetischer Erfahrungen erlebt werden kann. Die 2018 von Judith Clark realisierte, weiterhin zu sehende Intervention Exhibiting Niklaus Manuel Deutsch: The Judgement of Paris II (2018) ist dafür beispielhaft. Die 2015 begonnene Neuausrichtung des Programms zeigt sich in der zeitlichen Ausdehnung und Verschränkung verschiedener Projekte. 2018 kam die britische Künstlerin Elizabeth Wright nach Amden, um die digitale Skulptur Involuntary Work: Atelier Amden (2018) vorzustellen. Es handelt sich um eine digitale Repräsentation des Gadens in Form bewegter Bilder, die Wright online stellte. Die Künstlerin arbeitete mit Digitalisaten, die sie im Jahr zuvor in Amden von Oberflächen des Ausstellungsgebäudes anfertigte. Mit dem Titel bezieht sich die Künstlerin auf die Sculptures involontaires, die der französischen Fotograf Brassaï in den 1930er-Jahren in der surrealistischen Zeitschrift Minotaure publizierte. Es handelt sich um Aufnahmen unscheinbarer, kleiner Dinge, über die Rosalind Krauss in Anspielung auf die Surrealisten gesagt hat, es handle sich um das automatische Schreiben der Welt. Bitte besuchen Sie die Skulptur von Elizabeth Wright online unter www.involuntaryworks.com

Permanent zu sehen sind weiterhin auch die von Adrian Schiess bemalten Gläser eines der beiden Fenster des Weidgadens. Seine Arbeit ergänzt die auf Dauer angelegten früheren Interventionen von Judith Clark und Vaclav Pozarek. Zu quasi due buchi (2017) hat Pozarek ein Künstlerheft gleichen Titels gestaltet, das wir Ihnen auf Wunsch gerne zustellen. Auch die Edition von Bill Burns, die wir 2019 mit dem Künstler produzierten, ist bei uns erhältlich.







Bill Burns mit dem Poster The Great Trading Project (2019)







Publikation zur Geschichte des Atelier Amden.
Atelier Amden 1999–2015

Anya Gallaccio, Katharina Grosse, Anselm Stalder, Pawel Althamer, Bruno Jakob, Sarah Rossiter, Elizabeth Wright, Eva-Christina Meier, Rita McBride, Christine Streuli, Adrian Schiess, Annelies Strba, Bill Burns, Mai-Thu Perret, Erik Steinbrecher, Karin Hueber, Giorgio Sadotti, Pamela Rosenkranz, Eran Schaerf, Katalin Deér, Polly Apfelbaum, Kaspar Müller, Brian O'Doherty, Shirana Shahbazi, Vanessa Safavi, Karin Sander

Edition Voldemeer Zürich / de Gruyter 2015
Das Buch liegt in einer deutschen und einer englischen Ausgabe vor und kann im Buchhandel bezogen werden.

«Eine aussergewöhnliche Konfrontation zeitgenössischer Kunst mit der Schweizer Berglandschaft, die zum Ort des sozialen Aufbruchs und des künstlerischen Experiments wurde.»
– Andreas Fanizadeh in: Taz. Die Tageszeitung, 22.12.2015



Edition von Shirana Shahbazi
Bei der Edition handelt es sich um Fotografien, die in der Ausstellung «Tageslicht» im Atelier Amden 2013 entstanden sind.



Shirana Shahbazi
Tageslicht, 2015
2-teilig, Ilfochrome, je 28 x 35 cm, Auflage: 9 + 3 ap
CHF 900.- (o. R.)
zu bestellen bei roman.kurzmeyer@bluewin.ch







Zugverbindungen ab Zürich: jeweils 12 Minuten und 43 Minuten nach der vollen Stunde, umsteigen in Ziegelbrücke. Bus ab Ziegelbrücke nach Amden bis Station Lehni. Ab Station Lehni ist der Wanderweg zur Ausstellung markiert.