Bill Burns
* 1956, lebt in Toronto

Am 1. September 2018 war der kanadische Künstler Bill Burns im Atelier Amden mit der performativen Ausstellung The Salt, the Donkey, the Apple (2018) zu Gast. Burns arbeitet über Tiere und die Zivilgesellschaft in unserer technischen Weltzivilisation.


“Das Salz, der Esel, der Apfel geht ungefähr so: Zuerst besorgen wir etwas Salz, das in der Schweiz gewonnen wurde. Dann laden wir das Salz auf den Esel. Jetzt gehen wir mit dem mit Salz beladenen Esel den Berg hinauf. Jetzt finden wir Äpfel. Jetzt finden wir Honig. Jetzt kommen wir bei der Scheune an. Jetzt tunken wir die Äpfel in Salz und Honig. Jetzt essen wir sie. Das Salz, der Esel, der Apfel denkt über Handel, Ritual und Sehnsucht nach. Die Arbeit beschäftigt sich eher indirekt mit der Position, in welcher sich die künstlerische Avantgarde in der fortgeschrittenen Industrialisierung befindet. Sie setzt den zentralen Bestandteil fortgeschrittener Industrialisierung, die Verschiebung und den Austausch von Waren, in Beziehung zur Kunst. Sie befragt unser Verhältnis zu Nahrung, zu Tieren, zur Landwirtschaft und zur Natur. Sie fragt, warum Esel so trittsicher sind. Sie fragt, warum Mohammed, Jesus und andere Propheten den Esel für ihre Reisen bevorzugten. Sie fragt, warum Menschen in der Bibel zu Salz werden und warum Söldner mit Salz bezahlt wurden. Sie fragt, warum den Bienen und dem Umgang mit ihrem Erzeugnis ein ganzes Kapitel im Koran gewidmet ist und warum die Bienenpopulationen so krank geworden sind. Sie fragt, ob Wiedergeburt dadurch zustande kommen kann, dass man einen Apfel in Honig tunkt. Sie fragt, welche besonderen Beziehungen zwischen Künstler, Kurator, Landwirt und Sammler bestehen. Sie hinterfragt den Handel mit Gütern wie Kunst, Honig, Äpfeln und Salz. Und schließlich fragt sie, warum wir Sehnsucht empfinden. Ende» Bill Burns, 2018

“The Salt, the Donkey, the Apple goes something like this. First we acquire some salt mined in Switzerland. Then we load the salt on a donkey. Now we walk up the mountain with a donkey loaded with salt. Now we find apples. Now we find honey. Now we arrive at the barn. Now we dip the apples in salt and honey. Now we eat them. The Salt, the Donkey, the Apple speculates on trade, ritual and longing. It addresses, rather obliquely, the position the artistic avant-garde finds itself within advanced industrialism. It reflects on the trade of goods. It positions the central component of advanced industrialism, the movement and exchange of goods, in relation to art. It wonders about our relationship to food, to animals, to the farm, and to nature. It wonders why donkeys are so sure footed. It wonders why Muhammad, Jesus and other prophets favoured donkeys for their tours. It wonders why people were turned to salt in the Bible and why soldiers were paid in salt. It wonders why the Koran devotes an entire chapter to the bee and the procurement of its produce and why bee colonies have become so sick. It wonders if dipping an apple in honey can bring rebirth. It wonders about the special relationships between the artist, the curator, the farmer, and the collector. It wonders about the trade of goods like art, honey, apples and salt. Finally it wonders why we long. end” Bill Burns, 2018