Emil Michael Klein
Passage
26. September – 8. November 2026
Emil Michael Klein zeigt in seiner Ausstellung Passage neue textile Arbeiten in einer installativen Hängung. In seinem mit Malerei befassten Werk verkörpern die Vorhänge einen erweiterten Kunstwerkbegriff. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Darstellung und vielfältigen inhaltlichen Thematisierung der Künstlersignatur zu, die auf seinen textilen Arbeiten die Rolle der Figur übernimmt und wie ein Logo erscheint. Ausgeführt als Siebdruck, Abklatsch, Scherenschnitt oder als von Hand gemalte Form auf einem Stück Stoff, erinnern die Signaturen weniger an eine Autorisation des Werks durch den Künstler als an einen Markenschriftzug aus der Produktgestaltung. Die textilen Werke von Emil Michael Klein können wie Gemälde an der Wand ausgestellt werden. Meistens zeigt er die Vorhänge jedoch im Ausstellungsraum entweder befestigt an langen, zwischen Boden und Decke eingespannten Metallstangen mit von ihm entworfenen dekorativen Halterungen oder frei im Raum hängend als raumbildende Körper. Erstmals hat Klein für diese Ausstellung mit transparenten, hochwertigen Stoffen für den Aussenraum gearbeitet.
Vorhänge entstanden in den vergangenen zehn Jahren anlässlich von Ausstellungen seiner Malerei oder für besondere Anlässe wie die von Peter Fischli kuratierte Ausstellung Stop Painting in der Fondazione Prada in Venedig von 2021. Diese Ausstellung thematisierte die wechselvolle Geschichte der Malerei seit dem späten 19. Jahrhundert. Der Blick in die Kunstgeschichte zeigt, dass Künstler:innen sowohl den Bildbegriff selbst als auch ihre eigene malerische Praxis immer wieder aufs Neue rekonfiguriert und auf die Diskurse und das Empfinden der jeweiligen Epoche ausgerichtet haben.
Die Malerei von Klein gehört historisch in den Zusammenhang der nichtfigürlichen nachmalerischen Abstraktion. Während seine Gemälde stets wie Ausschnitte einer offenen, wenig untergliederten und unbegrenzten energetischen Fläche wirken, betonen die Vorhänge die Vertikale im Raum und bringen eine körperliche Präsenz zum Ausdruck. Mimetische Repräsentation und illusionistische Bildwirkung kümmern ihn kaum. Klein arbeitet an der konkreten Erscheinung und der sinnlichen Evidenz der Arbeiten. Erfahrbar sind seine Werke als künstlerische Reflexion des Ästhetischen. Die formale Reduktion und eine möglichst einfache innere Organisation des Kunstwerks sind Konstanten seines Schaffens. Der französische Anthropologe Philippe Descola hat in seiner Studie Die Formen des Sichtbaren. Eine Anthropologie der Bilder (Berlin, 2023) darauf hingewiesen, dass der Bildraum in der Moderne «zum eigentlichen Sujet des Werkes wurde und gänzlich ohne Bezugnahme auf eine externe Realität auskam». Am Beispiel der Malerei von Piet Mondrian legt er in seiner Darstellung der westlichen Kunstentwicklung seit der Renaissance dar, wie dieser «die wiedergegebenen Gegenstände ihrer Oberflächenartikulationen und des falschen Scheins der Linearperspektive entkleidet» hat, «sodass auf der Leinwand allein noch der von der Darstellung eines Stücks der Welt ausgelöste mentale Vorgang spürbar ist». Mit der Abstraktion wurde die illusionistische, perspektivische Darstellung des dreidimensionalen Raums als zweidimensionales Bild aufgegeben, nicht aber, wie Descola ausführt, der Anspruch, «die Beschreibungserfahrung selbst abzubilden, den sowohl geistigen als auch sinnlichen Vorgang, wie die Welt wahrgenommen und wiedergegeben wird».
Wenden wir uns mit dieser Beobachtung wieder dem Schaffen von Klein zu und achten darauf, was die Vorhänge zeigen, fallen hauptsächlich drei Merkmale auf: Neben dem abstrakten Bildraum sind es die Abwesenheit der menschlichen Figur und insbesondere die Thematisierung der Signatur als Bildfigur, die sich durch sein gesamtes bisheriges Schaffen ziehen. Erfahrung und Wahrnehmung dieser Arbeiten in dem stillgelegten und doch weiterhin Wind und Wetter ausgesetzten landwirtschaftlichen Gebäude in Amden unterscheiden sich grundsätzlich von denjenigen in einer institutionellen Ausstellung oder in einer kommerziellen Galerie. Die transparenten, bedruckten textilen Arbeiten werden hier weniger in ihrer spezifischen künstlerischen Werkform wahrgenommen, sondern gelangen als Elemente zur Wirkung, die den Raum strukturieren, sich im Wind bewegen und sich im einfallenden natürlichen Licht situationsbezogen verändern.
–– Roman Kurzmeyer










